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Atomkraft?
Nein danke!

 

Basisinformationen von den Experten aus dem Wendland. Argumente gegen die gefährlichste Technologie seit Bestehen der Menschheit.

Leid(t)-Artikel

In den allermeisten Regionen Deutschlands spielt die Atomkraft für die Menschen eine untergeordnete Rolle. Sie haben ihre Meinung dazu, aber im täglichen Leben ist sie nicht präsent. Im Wendland ist das anders!

Atomkraft? Nein danke!Kaum ein Tag vergeht ohne Zeitungsmeldung zu Gorleben. Kaum eine Woche ohne Protestveranstaltung, Expertenvortrag, Filmvorführung. Keine Fahrt durch den Landkreis ohne ein gelbes X, ein Plakat, eine Wendlandsonne zu sehen. Die Menschen teilen das Jahr ein in vor und nach dem Castortransport und feiern die Kulturelle Landpartie – immer noch das Fest zum Protest.

Und die Menschen hier kennen das Für und – vor allem – das Wider der Atomkraft. Es gibt wohl kaum eine Region in Deutschland, in der so viel Expertenwissen in Bürgerhand ist, so geballt beieinandersitzt und so fundiert argumentieren kann.

Dieses Wissen war Basis für das hier vorliegende Heft. Es soll helfen, die Aussagen der Atomlobby und von Teilen der Politik richtig einordnen zu können. Es soll schlichter Polemik durchdachte Argumente gegenüberstellen. Und es soll Mut machen, Nein! zu sagen: in der Familie, in der Schule, im Betrieb – und am besten auch im November:

Bei uns im Wendland!


Ob das stimmt, wenn es heißt: ?
"Atomenergie ist Öko-Energie!"

 

 

Nein!
Korrekt ist, dass AKW während des Betriebs kein CO2 ausstoßen. Aus ihren Kühltürmen kommen stattdessen Krypton und Argon – zwei der schlimmsten Killer der Ozonschicht – und andere gefährliche Stoffe. Trotzdem ist auch die CO2-Bilanz eines Atomkraftwerks nicht wesentlich besser als die eines Gas-Blockheizkraftwerks, was an der enormen Menge einzusetzender Energie liegt, bis ein AKW ans Netz gehen kann: Uranabbau, Herstellung der Brennstäbe und Bau der aufwändigen Anlagen setzen CO2 frei. Mit Wissen um die Schrecken von Tschernobyl und die jüngsten Störfälle in Europa und vor dem Hintergrund der ungelösten Frage der Atommülllagerung, der menschenverachtenden Arbeitsbedingungen im Uranbergbau und der zur Neige gehenden Vorkommen an Uran, können nur Zyniker die Atomkraft als Öko-Energie bezeichnen.
Quellen: Ökoinstitut Darmstadt; Andreas Troge (CDU) als Präsident des Umweltbundesamtes im Jahr 2005


Ob das stimmt, wenn es heißt: ?
„Ohne Atomkraft gehen bei uns die Lichter aus!“

Nein!

In Deutschland gibt es derzeit noch 17 aktive Atomkraftwerke. Andererseits standen im Sommer 2007 aus verschiedenen Gründen gleichzeitig sechs AKW still, und trotzdem wurde 2007 noch die Strommenge von drei Atomkraftwerken exportiert, weil durch die steigende Produktion aus Windenergie ein großes Überangebot an Strom besteht. Weder ist 2007 der Strompreis stark angestiegen, noch ist das Licht ausgegangen. In spätestens zehn Jahren wird ganz Norddeutschland rein regenerativ mehr Strom produzieren als verbrauchen. Auf Atomkraft kann also schon heute ohne Komforteinbuße verzichtet werden. Der Ausstieg aus dem Atomausstieg dagegen würde eine innovative Energieversorgung verhindern. Zudem sind, laut dem damaligen Umweltminister Sigmar Gabriel, die unfl exiblen AKW nicht mit den „Anforderungen einer nachhaltigen Stromwirtschaft vereinbar.“
Quellen: Bundesministerium für Umwelt; BUND und andere.


Ob das stimmt, wenn es heißt: ?
„Atomkraft garantiert billigen Strom!“

Nein!

Atomkraft sichert die billige Produktion von Strom – verkauft wird er an der Strombörse aber zum jeweils höchstmöglichen Preis, genau wie anders produzierter Strom auch. Atomenergie sichert also nicht niedrige Preise für die Verbraucher, sondern besonders hohe Gewinne für Vattenfall, RWE, E.ON und EnBW. Mittels Steuern zahlt der Stromkunde für Atomstrom sogar noch drauf: für Subventionen, Atommüllentsorgung, Risikoabsicherung. Berechnungen zufolge würde der von einem Dreipersonenhaushalt zu zahlende Strompreis bei Erhalt der Atomkraft pro Monat nur 88 Cent günstiger sein als nach erfolgtem Atomausstieg. Der Gewinn der Atomstromer würde aber um 10 Milliarden Euro steigen – pro Jahr!
Quellen: Greenpeace; Ökoinstitut Freiburg; Verbraucherzentralen und andere



Ob das stimmt, wenn es heißt: ?
"Der Weltbedarf an Energie lässt sich nur durch Atomkraft stillen!"

Nein!

Weltweit hat die Atomkraft einen Anteil von nur etwa zwei bis drei Prozent an der Energieerzeugung oder 16 Prozent an der Stromproduktion. Bliebe es dabei, wären die Vorräte des spaltbaren Uran-Isotops U-235 in rund 50 Jahren erschöpft. Würde die Atomkraft aus politischen Gründen ausgebaut, wären die Reserven entsprechend früher am Ende. Dieses Fakt und die zur Neige gehenden Öl- und Gasvorkommen zeigen, dass wirtschaftliches Wachstum hier und in den Schwellenländern auf Dauer nur mit regenerativer Energiegewinnung möglich sein wird. Übrigens: Genau wie die Atomkraft, trägt schon heute auch die Windkraft mit 16 Prozent zur weltweit produzierten Strommenge bei – Tendenz steigend!
Quellen: Internationale Energiebehörde IAEA; Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit in Europa (OECD) und andere



„Von Atomanlagen geht keine Strahlung aus!“  Nein!Ob das stimmt, wenn es heißt: ?
"Von Atomanlagen geht keine Strahlung aus!"


Nein!

Rund 4200 meldepflichtige Störfälle gab es bisher in den 17 deutschen Atomkraftwerken, die noch am Netz sind. Im Schnitt ist das jeden dritten Tag ein Störfall, darunter schwere Fälle wie der Trafobrand in Krümmel im Sommer 2007. Hinzu kommen Beinahe- GAUs wie im schwedischen Forsmark – und natürlich Tschernobyl. Auch ein Terrorangriff mit dem Flugzeug auf ein Atomkraftwerk würde zur nationalen Katastrophe führen. Eine Studie hat außerdem ergeben, dass das Leukämie risiko für kleine Kinder mit der räumlichen Nähe zu einem Atomkraftwerk steigt. Weltweit exis tiert über fünfzig Jahre nach dem Beginn der Nutzung der Atomkraft als Energiequelle kein einziges Endlager für hochradioaktiven Müll aus Atomreaktoren.
Quellen: Bundesamt für Strahlenschutz; Greenpeace; ARD



„Lagerung im Salz ist sicher!“ Nein!Ob das stimmt, wenn es heißt: ?
"Lagerung im Salz ist sicher!"


Nein!

Der ehemalige Kalischacht Asse II in Wolfenbüttel, die Pilotanlage für Gorleben, säuft ab. Täglich dringen bis zu 12 000 Liter Wasser in den Salzstock ein, und Experten erkennen nun, dass Salzlauge und Atommüll schon bald ein nicht zu beherrschendes, radioaktives Gebräu ergeben werden. In Gorleben gibt es ebenfalls große Wasserreservoirs; es kommt hinzu, dass es kein intaktes Deckgebirge z. B. aus Ton gibt und Radioaktivität ungehindert in die Umwelt gelangen könnte. Wenn der Atomausstieg realisiert wird, werden 18 000 Tonnen hochradioaktiven Mülls eingelagert werden müssen. Jedes zusätzliche Jahr erhöht diese Menge Müll um 400 bis 500 Tonnen. Über 40 Jahre Endlagerforschung resultieren heute in dem Ergebnis: So wie erhofft, geht es nicht. Die Lösung des atomaren Endlager-Problems ist völlig offen!
Quellen: ARD; Ökoinstitut Darmstadt und andere



Ob das stimmt, wenn es heißt:?
„Das Lager ist doch schon in Betrieb!“

Nein!

Anders als immer wieder angenommen und von den Medien irrtümlich veröffentlicht, befi ndet sich noch kein Atommüll im Salzstock in Gorleben. Ein Endlager ist dort nicht genehmigt. Seit dem Jahr 2000 ruht sogar die Erkundung, weil eigentlich beschlossen wurde, auch in anderen Gebieten nach „geeigneten Standorten“ zu suchen. Damit ist allerdings bisher nicht begonnen worden – und das Moratorium läuft 2010 aus. Der hochradioaktive Müll befi ndet sich in Transportbehältern – Castoren genannt – in einer oberirdischen Lagerhalle. Dieses Zwischenlager droht zur Dauerlösung zu werden. Einen Schutz vor Strahlung, Flugunfällen, Terrorangriffen oder Naturkatastrophen gibt es dort nicht.
Quellen: Bundesamt für Strahlenschutz



„Protestiert wird nur von Hippies und Spinnern!“ Nein!Ob das stimmt, wenn es heißt: ?
"Protestiert wird nur von Hippies und Spinnern!"


Nein!

Überall im Wendland begegnet man dem gelben X: das ist das Symbol des nun schon 33- jährigen Widerstands. Selbst im Kreistag, dem regionalen Parlament, fi ndet sich inzwischen eine Gruppe X. Sie vereint SPD, FDP, Grüne und zwei Wählergemeinschaften im Kampf gegen das geplante Atommüllendlager in Gorleben. An den Protesten gegen die jährlichen Castortransporte nehmen aber auch Bürger aus dem gesamten Bundesgebiet teil – mit den unterschiedlichsten politischen Gesinnungen und aus allen Bildungs- und Einkommenschichten. Jung und Alt, konservativ und progressiv, Handwerker, Ärzte, Journalisten, Bänker und sogar ein wohlhabender Graf – im November sind alle mit dabei. Sogar Geschäfte schließen und Angestellte nehmen Urlaub. Jedermann ist auf der Straße. Fehlst nur noch Du!
Quellen: www.luechow.de und andere



Ob das stimmt, wenn es heißt: ?
"Protestieren ist gefährlich!"


Nein!

Nicht jede Aktion endet als Sitzblockade mitten in eisiger Novembernacht, und bei den wenigsten Polizeieinsätzen kommen Wasserwerfer in Einsatz! Es gibt vielfältige Aktionen: bunte Demos, eindrucksvolle Mahnwachen, lebendige Kulturaktionen. Informiere Dich auf der Terminübersicht von www.castor.de oder besuche die Camps in Hitzacker, Metzingen oder Dannenberg. Und noch etwas: Die Polizei darf ohne vorherige Aufforderung, die Versammlung zu verlassen, keine Räumung beginnen. Auch wenn Du erst der 3. Aufforderung Folge leistest, hast Du Dich ordnungsgemäß verhalten! Und auch wenn Du bleibst: Die friedliche Teilnahme an einer Blockade ist keine Straftat, sondern allenfalls eine Ordnungswidrigkeit, die, wie Falschparken auch, mit einem Bußgeld geahndet werden kann. Vorbestraft ist man dadurch nicht!
Quellen: X-tausendmal quer und andere


Ob das stimmt, wenn es heißt:?
„Widerstand bringt doch sowieso nichts!“

Nein!

Im Wendland konnte ein Großteil dessen, was ursprünglich geplant war, durch Proteste verhindert werden! Vorgesehen waren zunächst ein Atomkraftwerk und eine Wiederaufbereitungsanlage – beides wurde durch Widerstand gestoppt. Außerdem sollte in Gorleben ein Nationales Entsorgungszentrum für Atommüll gebaut werden – mit einer WAA, mit Abklingbecken, riesigem Zwischenlager, Endlager und einer Konditionierungsanlage („Umpack-Anlage“ für Atommüll). Ein Großteil wurde verhindert, nur das (kleinere) Zwischenlager und die (kleinere) Pilotkonditionierungsanlage wurden gebaut – Letztere ist seit Fertigstellung vor 20 Jahren nicht einen Tag in Betrieb gewesen. Ohne den Widerstand wäre das Wendland längst das Atomklo der Nation! Übrigens: mehreren Umfragen zufolge sind immer noch Zweidrittel der Bundesbürger für den Atomausstieg.
Quellen: n-tv.de; Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. und andere


Der Transport wird voraussichtlich wieder einmal an einem Novemberwochenende durchgeführt. Auf dem letzten Schienenstück zwischen Lüneburg und Dannenberg werden viele Menschen dem Zug entgegengehen. Nach dem Umladen auf LKW werden die Castoren vermutlich am frühen Morgen des dem Wochenende folgenden Montags ins Zwischenlager Gorleben verbracht. Auch auf dieser Straßenstrecke sind große und kleine Aktionen zu erwarten. Die genauen Termine erfährst Du rechtzeitig unter www.castor.de.


Infos:
Das Wendland bietet mit Hotels, Pensionen Ferienwohnungen und Heuhotels eine breite Palette an Unterkunftsmöglichkeiten; unter www.elbtalaue-wendland. de lässt sich für jeden Geschmack leicht etwas fi nden. Während der Castor-Zeit kommt eine besondere Form der Gastfreundschaft hinzu: in Hitzacker gibt es ein Camp; in Metzingen öffnen sich Stuben, Scheunen und Dachböden; Kirchen und Gemeindehäuser stehen als Platz für Protestierende zur Verfügung. In Dannenberg vermittelt eine Schlafplatzbörse Kontakt zu privaten Unterkünften, die von Einheimischen angeboten werden. An diesen Orten kannst Du auch zelten, bekommst Verpfl egung, Kontakte und kannst den Castor-Ticker einsehen (www.castor.de) Weitere Infopunkte entstehen in Gorleben und Gusborn. Einen Besuch wert ist auch der Musenpalast in Laase, der Demonstranten mit einem Kulturprogramm Kraft geben möchte. Radio ZuSa (89,7 MHz) sendet zu unterschiedlichen Zeiten live aus Dannenberg.



„Castor kommt - Du auch“Ob das stimmt wenn es heißt:?
"Castor kommt - Du auch"

Anfang November:

Die große Demonstration Am Samstag vor dem Eintreffen der Castoren findet die große bundesweite Demonstration gegen Atomanlagen mit Musik und internationalen Redebeiträgen statt. Ort und Zeit werden noch rechtzeitig bekannt gegeben Das Zeitfenster Wer kann, sollte von Freitag bis Montag Zeit mitbringen, denn viele Aktionen sind geplant: Schülerdemo in Lüchow, Rallye Monte Göhrde, Stuhlprobe am Verladekran und vieles mehr. Fixe Termine kannst Du kurz vor dem Transport unter www.castor.de einsehen. Der Widerstand lebt aber auch von spontanen Aktionen in Orten und Dörfern, im Wald, am Gleis und auf der Straße. Es werden in diesem Jahr die größten Proteste gegen die Atomenergie erwartet, die es hier bisher gab!

Sehen wir uns?

Weitere Informationen finden Sie im Internet
Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg www.bi-luechow-dannenberg.de
Bäuerliche Notgemeinschaft www.baeuerliche-notgemeinschaft.de
Contratom www.contratom.de

Vor und während der Castorzeit
www.castor.de
www.widersetzen.de
www.x-tausendmal-quer.de

Weiterführende Informationen
www.anti-atom-aktuell.de
www.gorleben-archiv.de

Und sonst…
www.kulturelle-landpartie.de
www.salinas.de


Impressum:
Text und Fotos: Andreas Conradt
Titelfoto: Volker Möller
Satz und Gestaltung: Martin Nesemann
Die Broschüre entstand im Mai 2010 mit Unterstützung
- der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg
- der Bäuerlichen Notgemeinschaft
- der Kulturellen Landpartie

 
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