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Gedächtnisprotokoll von Johanna, die in Groß-Gusborn dabei war / 2004 Drucken E-Mail

Gedächtnisprotokoll von Johanna, die in Groß-Gusborn dabei war /2004


Situation: Um ca.7.35h standen wir (Gruppe von 3 Personen) etwas abseits der Transportstrecke, außerhalb der 50m-Linie. Ein Polizist, der an der Transportstrecke steht, mahnt uns, die 50m Distanz zu wahren. Als wir Schreie vernahmen, die zunehmend lauter wurden und sich verdichteten, bewegten wir uns ein paar Schritte horizontal zur Transportstrecke, in Richtung einer Scheune und konnten beobachten, wie eine Gruppe Polizisten hinter der Scheune hervorgestürmt kam und sich auf ca.10 Personen, die ebenfalls nahe der Transportstrecke gestanden hatte, stürzte. Die meisten von ihnen wurden von der Polizei zu Boden geworfen und einigen die Hände mit Kabelbindern gefesselt. Auf einen Mann mittleren Alters wurde noch während er bereits am Boden lag massiv von Seiten der Polizei eingeprügelt.


Nach Minutenbruchteilen kommt das ganze Szenario zum Stillstand, die Personen blieben regungslos. Ein Polizist rief uns zu, sofort zu ihm zu kommen. Wir sollten uns an die Mauer der Scheune stellen und nach Möglichkeit nicht mehr bewegen. Wir mußten unsere Schnürsenkel aus den Schuhen machen, wobei der Beamte darauf bestand, dass beide Schnürsenkel abgemacht wurden - nur einer würde dabei nicht reichen. Schließlich betont er, dass dies notwendig sei, damit wir nicht mehr rennen könnten. Die am Boden liegenden durften sich nach kurzer Zeit wieder aufrichten. Einige der Personen wurden bei dem Vorgang durch die Polizei verletzt. Die Polizei ließ zwar Sanitäter zu den Betroffenen, aber mit dem Kommentar, dass die Verletzungen nicht schlimm seien und es dann ja letztendlich egal sei.


Während wir an der Mauer standen, wurden wir nach unseren Personalien gefragt, nur einer von uns drei hatte zu diesem Zeitpunkt seinen Ausweis direkt bei sich. Kurz darauf kam ein weiterer Polizist hinzu und fragt wider nach den Personalien. Die Kabelbinder wurden bei den Betroffenen wieder gelöst. Schließlich wurden alle Personen in die Mitte der Wiese, auf der sich das ganze abgespielt hatte gebracht und von ca.20-40 Polizisten eingekesselt.


Erst jetzt gibt die Polizei ihre "Bewilligung" den einen Mann, auf den sie zuvor eingeprügelt hatten und der dadurch am Kopf verletzt wurde, ins Krankenhaus bringen zu lassen. Zwei weitere Frauen scheinen durch die Polizei leicht verletzt, eine von ihnen hatte, während sie zu Boden geworfen wurde, offenbar einen massiven Schlag auf den Rücken bekommen. Am Zaun neben der Wiese hatten sich einige Leute eingefunden und riefen den Polizisten zu, dass unter den Betroffenen auch Kinder, ein 14 jähriges Mädchen und ein sechzehnjähriger Junge seien und diese nicht eingekesselt werden dürften.


Nach ca. einer Stunde, der Castor war schließlich an der Stelle vorbeigefahren, musste jeder der Betroffenen nacheinander seine Personalien abgeben und wurde einzeln zur Strasse (Nebenstrasse) Richtung Klein Gussborn gebracht. Auf die Frage, warum sie die Personalien aufnehmen würden, betonte eine der Polizistinnen, wir hätten eine Ordnungswidrigkeit begangen, ein anderer versichert unsere Personalien werden "nur so" aufgenommen, damit würde nichts weiteres passieren.


Von einem Betroffenen/Zeugen habe ich die Telefonnummer, die anderen könnte ich wieder erkennen, auch ein paar der Polizisten. Die beiden anderen Betroffenen/Zeugen, die den Vorgang mit mir beobachtet hatten, könnten einige der Polizisten wieder erkennen, darunter vermutlich auch den Einsatzleiter.

 
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