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Erfahrungsbericht Widersetzen-Blockade und Räumung durch die Polizei 2010, Christoph D Drucken E-Mail

Liebe Freunde, Danke für die viele Organisation. Ich bin sehr berührt und froh, ein Teil des Widerstandes zu sein und überwältigt von der Solidarität unter den Widerständlern. Was mich enttäuscht hat war der Schutz meiner Rechte:Die Polizei hat es geschafft, wenige Meter nach der Stelle, an der jeweils geräumt wurde, einen rechtsfreien Raum zu schaffen, der weder für Demonstranten, noch für Presseleute einsehbar war. So konnten sie nur ein paar Meter von der jeweiligen Räumungsstelle...





Christoph D.
9.11.10

Bericht
Erfahrungsbericht Widersetzen-Blockade und Räumung durch die Polizei

Liebe Freunde,
Danke für die viele Organisation. Ich bin sehr berührt und froh, ein Teil des Widerstandes zu sein und überwältigt von der Solidarität unter den Widerständlern.

Was mich enttäuscht hat war der Schutz meiner Rechte:

 

Die Polizei hat es geschafft, wenige Meter nach der Stelle, an der jeweils geräumt wurde, einen rechtsfreien Raum zu schaffen, der weder für Demonstranten, noch für Presseleute einsehbar war. So konnten sie nur ein paar Meter von der jeweiligen Räumungsstelle ungestört soviel Gewalt ausüben, wie nötig war, um die Demonstranten dazu zu bringen, selbst zu laufen (s. Erfahrungsbericht).

Eine Dame, von der ich vermute, dass sie vom Ermittlungsausschuss war, war während der Räumung anwesend. Sie hat sich zwar lautstark über die Übergriffe beschwert, die bereits beim ersten Kontakt auf der Schiene stattfanden, diese Beschwerden blieben aber völlig wirkungslos. Die Polizisten waren sehr unbeeindruckt, sowohl von ihr als auch von den Fotografen, die dort ja noch relativ ungestört fotografieren konnten.

Im Kessel habe ich dann ebenfalls keinen Ansprechpartner des Ermittlungsausschusses gefunden.
Fazit: schon nach wenigen Metern wegtragen war ich schutzlos der Willkür der Polizisten ausgeliefert.Ich weiß nicht, ob Sie Möglichkeiten gehabt haben, dies zu verhindern oder einzudämmen, wenn schon, dann sollten Sie was aus diesen Ereignissen lernen.


Hier mein Erfahrungsbericht:

systematische Nötigung, Bedrohung und Körperverletzung
Ich wurde auch geräumt.

Die Polizei hat eine eindeutige Strategie verfolgt: Bedrohen, nötigen und verletzen soviel nötig bis der Demonstrant selbst läuft. Diese Erfahrung habe ich und alle meine Freunde gemacht.

Dass die Räumung der Blockade immer wieder in den Medien als "friedlich" bezeichnet wird, lag daran, dass die wenigsten der Demonstranten bereit waren, sich verletzen zu lassen. Den wenigen Hartnäckigen, die darauf bestanden haben, nicht selbst zu laufen, wurde der Arm auf den Rücken gedreht, um dosiert soviel Schmerz zu erzeugen, wie eben nötig war.

Klicken Sie auf das Foto um es zu vergrößern. Foto: www.publixviewing.de Direkt vor mir lief ein Demonstrant, dessen Kopf im Schwitzkasten des vorderen Polizisten eingeklemmt war, der hintere Polizist hat ihm den Arm verdreht.

Einem Freund von mir hat der Polizist noch an den Gleisen ins Gesicht gefasst, ihm die Brille vom Kopf gestossen und den Kopf nach hinten gedrückt, als dieser sich weigerte, selbst zu laufen.

Ein weiterer Freund wurde dreimal "versehentlich" fallen gelassen. Nachdem beim dritten Mal der Kopf schon den Boden berührte, entschied er sich, selbst zu laufen.
Ich fand mich nach wenigen Metern, als die Kameras weg waren und um mich rum nur noch Polizisten waren, am Boden sitzend. Der Schlagstock meines rechten Begleiters befand sich plötzlich ein paar Zentimeter vor meinem Gesicht, meine linke Begleiterin wies mich darauf hin, dass die Kameras jetzt weg wären und dass es nicht in Frage käme, mich bis in den "Kessel" zu tragen.

Eine weitere Freundin von zarter Gestalt berichtete, dass ihr, obwohl sie keinen Widerstand leistete, den ganzen Weg lang der Arm auf den Rücken gedreht wurde und ihr Begleiter sich nicht dazu bewegen liess, sie gewaltfrei anzufassen.

Insgesamt waren wir so viele Demonstranten und die Polizisten so müde von ihrem viel zu langen Einsatz, dass eine gewaltfreie Räumung noch einige Stunden länger gedauert hätte, wenn sie überhaupt möglich gewesen wäre.

Es wurde aus Effizienzgründen systematisch Gewalt ausgeübt.
Der Name und die Anschrift des Verfassers sind uns bekannt. Gegebenenfalls stellen wir einen Kontakt her


 
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